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(Neuerscheinung) Eine Reise in die Abgründe der menschlichen Natur…

Auch wenn es bei der Flut an Katastrophen und Ungerechtigkeit in dieser Welt der psychischen Gesundheit sicher zuträglich wäre, schaffe ich es einfach nicht wegzuschauen, wenn irgendwo jemandem ein Leid zugefügt wird, und besonders dann wenn dieses Leid struktureller Ungerechtigkeit und strafrechtlichen Schlupflöchern entwächst. Dass ich dieses Buch lesen würde, so unangenehm und aufrüttelnd es auch werden würde, stand für mich also niemals in Frage…

cover123202-mediumPimp-controlled sex workers, exploited migrants, domestic servants, and sex trafficking of runaway and homeless youth are just a few of the many forms of sex trafficking and labor trafficking going on all around the world―including in the United States. This book exposes both well-known and more obscure forms of human trafficking, documenting how these heinous crimes are encountered in our daily lives.

Kimberly Mehlman-Orozco beginnt ihren Aufklärungsauftrag zum Thema Menschenhandel und moderne Sklaverei mit einer Bombe; Menschenhandel nämlich ist im 21. Jahrhundert das – nicht eines, DAS! – wohl lukrativste Verbrechen der Welt. Die Risiken, bzw. Strafen sind gering, der Profit ist groß, wenn nicht sogar astronomisch. Egal welchem Zweck der Handel mit, bzw. die Ausbeutung von Menschen dient, es gilt die Devise: verkaufe ich ein Produkt, bringt dieses nur einmal Gewinn, verkaufe ich hingegen einen Menschen, setzt sich der Gewinn theoretisch bis zu dessen Ableben fort – so formuliert es zumindest die Autorin. Die Berichterstattung zum Thema gibt ihr leider recht – Menschenhandel liegt im Trend und das obwohl man als aufgeklärte Europäerin eigentlich meinen könnte, die Zeiten der Sklaverei seien vorbei.

Ich hatte nicht damit gerechnet in diesem Buch etwas mir vollkommen neues zu lesen und las es vor allem um bestehendes Halbwissen zu vertiefen; und doch bin ich bis ins Mark erschüttert, jedes Mal, wenn ich gegen Ende des Tages das Buch aus der Hand lege. Kimberly Mehlman-Orozco schildert die gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Detail mit genug Fallbeispielen um mir den Magen mit Blei zu füllen. Wie kann das in den Tagen von amnesty international und UN Menschenrechtskonvention bloß noch geschehen, und wie kann es sein, dass westliche Industrienationen diese Form der Ausbeutung, zum Beispiel durch die Kooperation mit resourcenansässigen Partnern multinationaler Konzerne auch noch befeuern – ganz zu Schweigen von den unzähligen Männern, die im In- und Ausland Prostitution in Anspruch nehmen und so einen Markt kreieren, der sich jedem Regulierungsversuch widersetzt und von der organisierten Kriminalität nicht trennbar zu sein scheint.

Den ersten Teil ihrer kriminologischen Odyssee widmet die Autorin der wohl schlimmsten und menschenverachtendsten Form der Sklaverei – sofern es innerhalb dieser Menschenrechtsverletzung überhaupt möglich ist eine Hierarchie der Misshandlung zu etablieren – der Sklaverei zwecks sexueller Dienstleistungen. Wer schon einmal die EMMA gelesen hat, dürfte darüber im Bilde sein, dass diese Form der Versklavung von Frauen und Mädchen, manchmal auch Jungen, im Deutschland nach der Legalisierung von Prostitution, Zuhälterei und Bordellbetrieb Hochkonjunktur hat. Insofern ist auch einer der Lösungsvorschläge der Autorin für die trafficking-Krise in den USA, nämlich die Legalisierung von Prostitution und Sexkauf, der deutschen, bzw. europäischen Erfahrung nach etwas zu kurz gedacht und leider ein bisschen oberflächlich recherchiert.

Im zweiten Teil geht es um die Versklavung von Arbeitskräften, oft auch Kinder und Jugendliche, vor allem in der hiesigen Landwirtschaft als Saisonarbeiter, in der indischen Textil- und der afrikanischen Kakaoindustrie. Doch diese Fußtritte gegen die Menschenrechte finden eben nicht nur weit weg, in Amerika oder gar Entwicklungs-, bzw. Schwellenländern statt, denen sich Europa seit jeher moralisch überlegen fühlt, sondern auch vor der Haustür. Eines der Beispiele, welche die Autorin in ihrem Buch bringt, kenne ich so auch aus dem deutschen Raum, nämlich die Drückerkolonne. Hier wird auch mir als Laie bewusst, wie schnell ein Mensch in ein Arbeitsverhältnis rutschen kann, in dem er letztlich versklavt wird. Wie auch in der Zwangsprostitution werden „Drücker“ aus ihrem gewohnten Umfeld entfernt und mittels vorgeblicher Schulden, bzw. unerfüllter Verkaufsquoten von ihren Vorgesetzten abhängig gemacht.

Das Entkommen aus einem solchen Arbeitsverhältnis schildert Kimberly Mehlman-Orozco als ähnlich schwer, wie die Flucht aus einer Sekte, und je nach Arbeitgeber als ebenso gefährlich. Scheidende Mitarbeiter werden ohne einen Pfennig in fremden Städten ausgesetzt, am liebsten meilenweit vom eigentlichen Zuhause – alles ganz legal übrigens, was es dem Staat fast unmöglich macht diese Art von Ausbeutung strafrechtlich zu verfolgen. Selbst klassische Menschenhändler, beispielsweise in der Prostitution, müssen selten Gefängnisstrafen fürchten, da sie ihre Opfer in der überwiegenden Mehrheit emotional von sich abhängig und so zu Mittäterinnen machen, zumindest vor dem Gesetz. Auch sind die schwer traumatisierten Opfer der Menschenhändler in der Regel schlechte Zeugen, durch störungsbedingte Gedächtnis- und Affekteinbrüche – all dies und mehr schildert Kimberly Mehlman-Orozco in ihrem Buch „Hidden In Plain Sight“.

Doch nicht nur die Opfer des internationalen Menschenhandels kommen zu Wort, auch die Täter steuern in „Hidden in Plain Sight“ ihre Sicht auf das Verbrechen und seine Auswirkungen auf die Betroffenen bei, ebenso wie diejenigen Männer, die zum Beispiel Endverbrauer der Zwangsprostitution von Frauen und Kindern darstellen. Diese Männer stellen zwei ganz unterschiedliche Tätergruppen dar, diejenigen welche das Verbrechen begehen und solche, die ihnen dabei zuschauen ohne jedoch einzugreifen, man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass sie durch ihre Nachfrage die Basis für den Markt erst schaffen. Von Kimberly Mehlman-Orozco werden sie innerhalb des Buchs mit einem Respekt, bzw. einer Wertfreiheit behandelt, die ich als nicht-Wissenschaftlerin beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Die interviewten Männer, die sich selbst als „Hobbyisten“ bezeichnen, als wäre das Konsumieren von Menschen mit dem Sammeln von Briefmarken gleichzusetzen, lassen mich an einer angeborenen Empathiefähigkeit beider Geschlechter füreinander zweifeln.

Wem schnell mal die Galle überkocht, die sollte vor der Lektüre von „In Plain Sight“ den Spucknapf bereit halten. Denn eine himmelschreiende Ungerechtigkeit folgt auf die nächste. Der Polizei scheinen gleichzeitig die Hände gebunden zu sein, während hochrangige Strafverfolger mehr daran interessiert sind, wie eventuelle Razzien und Gerichtsverfahren in der Presse gefeiert werden, auch wenn sie den Opfern keine Gerechtigkeit bringen und den Verbrechenssumpf Menschenhandel nicht trocken legen. So beende ich meine Lektüre, ohne ein Gefühl der Genugtuung, aber mit dem Wissen dass sich etwas ändern muss. Die Lösungsansätze, die Kimberly Mehlman-Orozco hier und da einstreut scheinen mir zu oberflächlich. Doch was soll man machen, wenn der Fehler scheinbar im System liegt.

Hidden in Plain Sight: Americas Slaves of the New Millennium – Kimberly Mehlman-Orozco – ISBN 978.1.440.85403.3 (https://mehlmanorozco.com/)

Für Leserinnen, mit sozialem Gewissen…

Literarische Nachbarinnen…

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(Feminismen) Eine Amerikanerin erklärt warum Feminismus wichtig ist…

Wer, wie ich, ein Faible für feministische Sachbücher hat, der kommt an der amerikanischen Bloggerin Jessica Valenti nicht vorbei. Die Gründerin der Internetplattform feministing.com hat es im letzten Jahr mit gleich drei Büchern in mein Regal geschafft, ein viertes steht zur Zeit auf meiner Wunschliste. Dieses hier ist übrigens das allererste, weitere werden sicher schon bald folgen…

61g4da32myl-_sx329_bo1204203200_Full Frontal Feminism is a book that embodies the forward-looking messages that author Jessica Valenti propagated as founder of the popular website, Feministing.com. Full Frontal Feminism is a smart and relatable guide to the issues that matter to today’s young women. The book covers a range of topics, including pop culture, health, reproductive rights, violence, education, relationships, and more.

Was „The Equality Illusion“ für die unbedarfte britische Leserin ist, das ist „Full Frontal Feminism“ für deren amerikanisches Pendant – ein Weckruf nämlich. Typisch amerikanisch darf der Feminismus diesmal sogar aufs Titelblatt und findet hoffentlich viel Zulauf; mir persönlich hat es jedenfalls gefallen. Denn auch wenn sich die Autorin auf die amerikanische Gesellschaft bezieht, hat mein Heimatland doch genug gemeinsam mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und wenn man Jessica Valenti Glauben schenken darf ebenfalls unbegrenzten Sexismus – um einen feministischen Kommentar dazu auch für deutsche Leserinnen interessant zu machen. Und interessant war es, wenn auch etwas oberflächlich, was ich allerdings darauf zurück führe, dass „Full Frontal Feminism“ als Einstiegsdroge konzipiert wurde; ich persönlich es aber ungefähr zwei Jahre nach meiner feministischen Erweckung gelesen habe.

Anders als das oben erwähnte „The Equality Illusion“, ist „Full Frontal Feminism“ ganz klassisch nach Themen aufgebaut, dazu gehören sowohl die ganz alltäglichen Herausforderungen an die moderne Frau, wenn es zum Beispiel darum geht sich innerlich gegen das destruktive Frauenbild, welches die amerikanischen Medien vermitteln, zu wappnen oder auch für frauengesundheitliche Grundversorgung, wie zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen und bezahlbare Verhütungsmittel, zu kämpfen. Es geht um die Entfremdung junger Frauen von ihren Körpern, um die „Raunch Culture“ (wer hierzu mehr erfahren möchte, dem empfehle ich Ariel Levys „Female Chauvinist Pigs“) und in der Konsequenz um die Rückeroberung des so heiß umkämpften weiblichen Körpers durch jede einzelne Frau, bzw. Leserin. In diesem Zusammenhang spricht Jessica Valenti natürlich auch über den dringend notwendigen Kampf gegen die epidemische sexuelle Gewalt, in Amerika und anderswo.

Feminismus ist trendy, besonders in der amerikanischen Populärkultur. Ob nun Beyoncé, Lena Dunham oder gar Taylor Swift, alle bekennen sich zum Feminismus, leben und agieren gleichzeitig aber weiter innerhalb der engen Grenzen der vom Patriarchat als akzeptabel definierten Weiblichkeit. In ihrem Buch „Full Frontal Feminism“ regt Jessica Valenti junge Leserinnen dazu an sich offen und selbstbewusst zum Feminismus zu bekennen, es aber gleichzeitig nicht dabei zu belassen. Denn auch heute noch braucht die Welt Frauen, die bereit sind aus ihren Zimmern, Hörsälen und den virtuellen Sphären des Internets zu treten und auf Worte Taten folgen zu lassen. Frauen, die mutig genug und bereit sind gesellschaftliche Regeln und Definitionen von Weiblichkeit zu brechen und so deren Überflüssigkeit innerhalb einer modernen, gleichberechtigten Gesellschaft zu verdeutlichen.

Dabei ist die feministische Erweckung junger Frauen die eine Sache, und Jessica Valenti macht diese Sache wirklich gut. Die Frau will ich sehen, die nach der Lektüre von „Full Frontal Feminism“ nach wie vor den in Amerika so beliebten Satz äußert: „Ich bin keine Feministin, aber…“ Was aber darüber hinaus unbedingt notwendig ist, ist ebenfalls die jungen Männer mit ins Boot zu holen und ihnen zu verdeutlichen, wie viel angenehmer das Leben auch für sie wird, wenn es ihren Müttern, Schwestern, Freundinnen und Töchtern besser geht; wenn diese selbstbewusst mit ihren Körpern umgehen können und wieder Vertrauen in das andere Geschlecht schöpfen können, erwachsen aus gegenseitigem Respekt. Denn solange die Mädels stolz rufen: „Wir sind Feministinnen!“ und die Jungs dagegen skandieren „Nein heißt Ja! Ja heißt anal!“ kommen wir als Gesellschaft leider keinen Schritt weiter. Diese Überbrückung der ansozialisierten Geschlechterdifferenzen jedoch gelingt Jessica Valenti nicht – vielleicht wird’s ja im nächsten Buch was werden.

Insgesamt ist „Full Frontal Feminism“ jedoch ein guter Einstieg ins Thema für junge Frauen, die im Grunde für die Gleichberechtigung der Geschlechter sind, sich aber noch nie so wirklich vor Augen geführt haben, wie man das denn nun am besten erreichen kann. Sie bezieht sich dabei wie gesagt auf Nordamerika, das meines Wissens nach einen anderen Sexismus praktiziert als Deutschland, der jedoch Überlappungen beider Unterdrückungssysteme durchaus zulässt. Insofern kann man aus den Beschreibungen Jessica Valentis trotzdem seine Lehren für das heimische System ziehen; besonders natürlich die, dass keine Frau sich scheuen sollte sich selbst als Feministin zu bezeichnen – ein Begriff der im Deutschland jenseits der EMMA über die Jahrzehnte leider sehr eingestaubt ist. Auf die deutsche Jessica Valenti müssen wir Leserinnen also wohl noch etwas warten, bis dahin ist die Lektüre von „Full Frontal Feminism“ meiner Meinung nach jedoch ein wunderbarer Kompromiss.

Full Frontal Feminism: A young woman’s guide to why feminism matters – Jessica Valenti – ISBN 978.1.580.05561.1

Für Leserinnen, die…

  • …von der Wichtigkeit des Feminismus erst noch überzeugt werden müssen.
  • …sich feministischen Themen auf Augenhöhe nähern wollen.
  • …gesellschaftliche Parallelen zwischen Amerika und Deutschland ziehen können.

Am besten kombiniert mit…

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(Neuerscheinung) Sie suchten nach Gold Ruhm Zitrus und fanden den Tod…

„Gold, Ruhm, Zitrus“ war das letzte Buch, das ich vor meiner Blogpause in den Händen hielt. Danach war es allerdings nicht das erste, dessen Lektüre ich wieder aufnahm, hatte ich es doch vor Monaten schon verliehen. Als ich es dann aber endlich wieder in meinem Regal willkommen heißen durfte, ließ ich mich natürlich nicht lange bitten – schließlich gehörte es Anfang diesen Jahres zu den von mir am sehnlichsten erwarteten Neuerscheinungen…

9783550081125_coverNiemand kann sagen, wann es das letzte Mal in Kalifornien geregnet hat. Das Land liegt unter einer gigantischen Dünenformation begraben, die Bewohner werden, teils mit Waffengewalt, teils durch undurchsichtige bürokratische Vorschriften davon abgehalten, in fruchtbarere Regionen zu ziehen. Die meisten haben sich mehr oder weniger freiwillig in Notlager begeben, einige wenige hausen in den Villen und Bungalows, die andere verlassen haben, und leben von Notrationen. Auch Luz und Ray gehören zu ihnen. Als das Schicksal ein zweijähriges Mädchen namens Ig in ihre Hände legt, ändert sich für sie alles. Luz, ehemaliges Model, will des Kindes wegen die Flucht nach Osten wagen, ihr Freund Ray, Kriegsveteran und Surfer, unterstützt sie trotz seiner Vorbehalte. Spätestens als sie in den Weiten der Amargosa-Wüste auf eine sektenartige Kommune und ihren charismatischen Anführer stoßen, wird klar, dass Gefahr nicht nur von der erbarmungslos brennenden Sonne ausgeht.

Von Dystopien kann ich seitdem ich mit 15 Jahren George Orwells „1984“ gelesen habe einfach nicht genug kriegen, was leider den Nebeneffekt hat, dass ich mittlerweile das Gefühl habe alles, was mir in der neueren dystopischen Literatur begegnet schon einmal gesehen zu haben. Bei „Gold Ruhm Zitrus“ trifft dies zum Teil ebenfalls zu, was aber an sich noch kein Werturteil darstellen soll. Denn die Autorin liefert auch viele neue Impulse in ihrem ökologischen Endzeitszenario der Vereinigten Staaten von Amerika. Somit ist der erste, und von mir seit der Lektüre ihres Debüts herbei gesehnte, Roman der Tochter von Paul Watkins, eines Anhängers von Charles Manson, ein bisschen Orwell und ein bisschen Atwood, gewürzt mit einer Prise Al Gore, aufgepeppt und individualisiert durch ein paar stilistische Spirenzchen, die mich persönlich an Zadie Smith erinnern, eine ganze neue Mischung des Erfolgsrezeptes Dystopie.

Claire Vaye Watkins hat ein Faible für Desperados, schon ihr Debüt „Geister, Cowboys“ spielte im wilden Westen der USA; genauer gesagt im Spieler- und Gangsterparadies Nevada, wo die Autorin aufgewachsen ist. „Gold Ruhm Zitrus“ spielt nun im benachbarten Californien und das obwohl die Autorin mittlerweile mit Mann und Tochter im nordöstlichen Michigan, an der Grenze zu Kanada lebt, wo sie an der staatlichen Universität Kreatives Schreiben unterrichtet. In ihren Roman fließen also vor allem Erinnerungen ein, an eine Kindheit im Herzen der Mojave Wüste, die im Roman selbst eine große Rolle spielt, ja sogar mysthische Kräfte zugeschrieben bekommt. Als Leserin frage ich mich, ist es Sehnsucht nach der unwirtlichen Weite, die Claire Vaye Watkins an diesen Schauplatz führt? Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls angefixt und spüre den Sog der Aragosa mit jedem neuen Kapitel anwachsen.

Die Aragosa ist eine Bedrohung für das Leben auf dem amerikanischen Kontinent, eine Sandlawine, die sich im Zeitlupentempo über das Land schiebt und alles und jeden unter sich begräbt, der es wagt sich ihr in den Weg zu stellen, und das sind vor allem die hartggesottenen, hitzegegerbten Bewohner der Mojave Wüste, in all ihren charakterlichen Eigenheiten beschrieben von Einer, die sie auf intimste Weise zu kennen scheint. Sie ist eine Sirene, deren Ruf bis an die Küsten schallt und dem Auserwählte aller Bevölkerungsschichten folgen als verkünde sie den Weg zur Erlösung. Im Laufe des Romans verfällt auch dessen Hauptfigur Luz, ein ehemaliger Kinderstar, der einst von der Propagandamaschinerie der amerikanischen Nachrichtenlandschaft instrumentalisiert wurde, den Verlockungen des Lebens am Rande der Welt und schließt sich der Aragosa Kolonie an.

Die Struktur des Zusammenlebens der Aragosa Kolonie kommt mir bekannt vor, was nicht nur an der sektenähnlichen Athmosphäre liegt, die sich über die Behausungen legt, und auf mich als Leserin trotz der positiven Erfahrungen von Luz und Ig, als sie zur Kolonie stoßen, immer ein wenig bedrohlich wirkt, was aber auch an der Wüste liegen könnte, deren geballte Zerstörungskraft quasi vor der Haustür ist. Die sexuelle Verfügbarkeit der teils noch sehr jungen weiblichen Aussteigerinnen für den Anführer Levi lässt mich schaudern, und auf einmal wird mir auch klar warum. In ihrer Charakterisierung von Levi und seinem Gefolge scheint Claire Vaye Watkins zu versuchen sich gedanklich dem anzunähern, was ihren Vater und seine Zeitgenossen einst dazu getrieben haben mag dem wortgewandten, aber bei genauerer Betrachtung, letztlich doch psychopathischen Manson zu verfallen, ihm seine schizoiden Lügen abzukaufen, ja sogar Verbrechen für ihn zu begehen.

Levi der charismatische Anführer der Aragosa Kolonie erinnert mich ein bisschen an den jungen Charles Manson, Anführer der sogenannten „Family“ einer californischen Hippie-Gemeinde, die zunächst als Zufluchtsort für eine handvoll Aussteiger fungierte, jedoch schnell und mit unvorstellbarer Zerstörungswut kultähnliche Züge annahm. Claire Vaye Watkins erzählt in ihrem Roman nicht nur die Geschichte von Luz, Ray und Ig, sondern geht gleichzeitig auf Spurensuche in der eigenen Geschichte und offenbart sich dieser Leserin auf eine Art und Weise, die einiges an Mut erfordert haben muss; wenn es denn absichtlich geschehen ist. Als Leserin fühle ich mich der Autorin persönlich sehr nahe, was sie von anderen Schriftstellerinnen, deren Dystopien ich bisher gelesen habe unterscheidet und „Gold Ruhm Zitrus“ eine Dimension gibt, die seinen Genregenossen fehlt und mein Leseerleebnis besonders intensiv macht.

Diese narrative Intensität wäre für mich als Leserin erschöpfend und sicher nur schwer auszuhalten, würde Claire Vaye Watkins sie nicht durch stilistische Experimente, wie zum Beispiel eine exakte Wiedergabe einer in der Geschichte von Levi erstellten „Fibel neuer Tierarten in der Aragosa“, in regelmmäßigen Abständen durchbrechen. Diese Spielereien erinnern mich persönlich an die Romane „Extrem laut und unglaublich nah“ von Jonathan Foer und „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak und haben dabei das Potenzial sowohl für als auch gegen die Lektüre des Romans zu sprechen, wie die Würfel letztenendes fallen, kommt auf die individuelle Leserin an – also sage bitte nicht, ich hätte dich nicht vorgewarnt. Mir persönlich ist eine Erzählweise à la Margret Atwood bei Romanen, in denen die Handlung im Vordergrund steht, eigentlich lieber; doch erwarte ich in diesem Fall nicht ernsthaft, dass die überaus talentierte Watkins ihr schriftstellerisches Licht unter den Scheffel stellt.

Insofern ist „Gold Ruhm Zitrus“ für mich ein Roman, der seine Leserin fordert, sie dazu auffordert hinter die Fassade zu schauen und sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was ihr via des Narrativs auf dem Silbertablett serviert wird. Leider sagt mir mein Bauchgefühl, dass gerade diese Art Leserin Hemmungen haben könnte sich in eine Dystopie zu vertiefen; Und dabei ist „Gold Ruhm Zitrus“ doch so viel mehr als das. Claire Vaye Watkins setzt sich in ihrem Roman mit Themen auseinander, die das Genre der „Endzeitdystopie“ sprengen: nun da wir erwachsen sind, wie wollen wir leben? wollen wir die Umwelt bekämpfen oder einen Einklang finden? ist er wirklich der einzig Wahre oder nur der Erstbeste? was bedeutet es ein behindertes Kind groß zu ziehen? ist es klug für seine Sehnsucht alles aufs Spiel zu setzen? Mögliche Antworten auf diese Fragen finde ich als Leserin zwischen den Seiten von „Gold Ruhm Zitrus“.

Gold Ruhm Zitrus – Claire Vaye Watkins – ISBN 978.3.550.08112.5

Für Leserinnen, die…

  • …sich in eine dystopische Zukunft versetzen lassen wollen.
  • …keine Angst vor stilistischen Experimenten haben.
  • …den ungezähmten Westen Amerikas lieben.

Literarische Nachbarinnen…

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(Feminismen) Das weibliche Geschlecht, vom Aussterben bedroht…

Zu diesem Buch bin ich auf zweierlei Art gekommen. Zum einen hat mich der Film „The three deadliest words in the world: It’s a Girl!“ (inklusive TED Talk des Regisseurs) für das Thema angefixt, und dann habe ich dieses Buch auf dem amerikanischen Buchblog „Feminist Texican Reads“ besprochen gesehen. Bald darauf hielt ich meine eigene Ausgabe in Händen und möchte sie nun nicht mehr missen, auch wenn mir ihr Inhalt zeitweise schwer im Magen liegt…

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Auf der ganzen Welt gerät das ausgewogene Zahlenverhältnis zwischen den Geschlechtern aus der Balance. Es gibt zu viele Jungen und zu wenig Mädchen. Das gilt für China, wo die Differenz mit 163 Millionen fehlenden Frauen bereits der Gesamtanzahl der weiblichen Bevölkerung der USA entspricht, es gilt für Indien, aber inzwischen auch für weitere Länder in Osteuropa, Afrika und Lateinamerika. Anders als bisher angenommen verschwindet das Phänomen nicht mit steigendem Wohlstand und wachsender Bildung. Der Frauenmangel führt zu steigender Gewalt gegenüber Frauen, Zwangsverheiratungen und grenzüberschreitendem Frauenhandel.

Mara Hvistendahls Buch über den Genozid an weiblichen Föten zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der Welt. Ob es nun um die potenzierte Gewaltbereitschaft unzähliger junger Männer geht und das erhöhte Risiko Opfer einer Gewalttat zu werden, für die versprengten Frauen und Mädchen oder um das harte Schicksal als abgekapselter Junggeselle seine alten Eltern pflegen zu müssen; Mara Hvistendahl widmet sich allen nur erdenklichen Szenarien, die aus einem Überschuss an Männern innerhalb der Gesellschaften verschiedener Schwellenländer und jungen Industrienationen von Indien, über China bis nach Albanien, erwachsen können. Schon heute zeichnet sich ab, dass es höchste Zeit ist für die politischen Eliten der erwähnten Länder gegenzusteuern, auch wenn der gefährliche Trend der Vermännlichung der Welt nur schwer aufzuhalten zu sein scheint.

Mara Hvistendahl geht in ihrer Schilderung der selektiven Geburtenkontrolle, wie sie besonders in Indien, China aber auch in Teilen Osteuropas praktiziert wird, an die Ursprünge dieser Entwicklung, die wie sollte es auch anders sein, von den westlichen Industrienationen losgetreten wurde. Um die Überbevölkerung der Welt zu verhindern machten die ehemaligen Kolonialmächte besonders in Indien Abtreibungen salonfähig – eine Entwicklung, die sich mit der Erfindung der Geschlechtsbestimmung durch Ultraschall verselbstständigen sollte. Ich will an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das tut Mara Hvistendahl in „Das Verschwinden der Frauen“ viel besser als ich es je könnte; lass mich nur so viel sagen, die Liste der Ereignisse, die in ihrer Verkettung zu einem Ungleichgewicht der Geburten führten ist lang.

Von Indien geht es nach China, wo die historische Bevorzugung von Söhnen und die moderne Ein-Kind-Politik gnadenlos aufeinander trafen und eine Generation von überflüssigen Junggesellen produzierten. Mara Hvistendahl erzählt davon, wie Bräute aus Vietnam angeworben werden, manchmal auch ohne vorher deren explizite Einwilligung einzuholen – die Entscheidung treffen in der Regel die Familien der jungen Frauen. Sie erzählt von der oft aussichtslosen Situation der Frauen, deren Ehen mit chinesischen Männern selten gut gehen und von chinesischen Aktivisten, die sich auf die Befreiung und Rückführung der verschleppten Frauen spezialisiert haben. An dieser Stelle wird mir als Leserin die politische Brisanz dieses Buchs schlagartig bewusst. Hatte Mara Hvistendahl mich zuvor mit geschichtlichen Zusammenhängen eingelullt, schlägt sie mir nun ihre Konsequenzen um die Ohren.

Der letzte Stopp auf der Suche nach den verlorenen Mädchen ist für mich als deutsche Leserin quasi vor der Haustür. Denn auch in Albanien wird selektiv abgetrieben, um mehr Söhne zu zeugen in einer Zeit in der diese für das Überleben einer Familie gar nicht mehr unbedingt notwendig sind, die Gesellschaft aber weiterhin an ihrem historischen Prestige, das ihre Mütter und Gemeinden aufwertet, festhält. Doch was sollen all die ruhelosen Männer in einer strukturschwachen Region, in der es nicht einmal mehr genug Frauen gibt, um ihnen ein sesshaftes Lebens als Familienväter in Aussicht zu stellen? Diese und andere Fragen kann oder will Mara Hvistendahl mir leider nicht beantworten. Stattdessen beschränkt sie sich darauf die Entwicklungen der Vergangenheit nachzuvollziehen, politische und demographische Fehlentscheidungen aufzuzeigen und deren Auswirkungen zu illustrieren.

Insgesamt ist „Das Verschwinden der Frauen“ eine aufrüttelnde Lektüre zu einem weltweiten Problem, das so in den westlichen Industrienationen nur äußerst selten zur Sprache kommt. Vielleicht haben die Verantwortlichen ein schlechtes Gewissen oder die Auswirkungen einer Welt voller unverheirateter, kinder- und familienloser, Männer werden hier, weit weg von den Schauplätzen dieser Entwicklung, noch weitläufig unterschätzt. In den betroffenen Ländern werden langsam Maßnahmen in Gang gesetzt um dem Verschwinden der Frauen entgegen zu wirken, so viel verrät Mara Hvistendahl dieser Leserin dann doch. Ob diese Lösungsansätze allerdings noch rechtzeitig greifen, das bleibt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Das Verschwinden der Frauen“ leider fragwürdig.

Das Verschwinden der Frauen: Selektive Geburtenkontrolle und ihre Folgen – Mara Hvistendahl – ISBN 978.3.423.28009.9

Für Leserinnen, die…

  • …sich ihren Platz in der Welt erkämpfen mussten.
  • …bisher noch nie vom Genozid gegen das weibliche Geschlecht gehört haben.
  • …sich für weltpolitische Probleme interessieren.

Am besten kombiniert mit…

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(Neuerscheinung) Über Männer, die die Welt erklären und Frauen, die es besser wissen…

Lange schon steht die englische Audioversion auf meinem Merkzettel bei audible.de. Da es sich bei diesem Buch um einen Essayband handelt, habe ich mich nie so ganz dazu durchringen können es zu kaufen. Denn Essays hören, dass bringt mich viel zu oft aus dem Lesefluss heraus. Daher freute ich mich als der btb Verlag die gedruckte Version für kleines Geld herausbrachte, und im Nu war die Entscheidung für das Buch getroffen…

Wenn Maenner mir die Welt erklaeren von Rebecca SolnitEin Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat – jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht die Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Sie schreibt über die Kernfamilie als Institution genauso wie über Gewalt gegen Frauen, französische Sex-Skandale, Virginia Woolf oder postkoloniale Machtverhältnisse. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.

Rebecca Solnits Buch besteht aus sieben Essays verschiedener Länge, der Kürzeste über den frischen Wind, den die gleichgeschlechtliche Ehe in eine zutiefst hierarchische Verbindung bringen wird, ist gerade mal zehn Seiten lang, ihr Essay über die Schriftstellerin Virginia Woolf ist wiederum ausführlich genug um sein eigenes schmales Büchlein zu verlangen. Wenn sie in Länge und Aufbau auch noch so verschieden sind, thematisch gleichen sich die Essays alle. Denn in „Wenn Männer mir die Welt erklären“ hat Rebecca Solnit ihre Gedanken zum Thema Feminismus, Patriarchat und Gewalt zusammengetragen, eine explosive ebenso wie introspektive Sammlung, die bei mir als Leserin und als Feministin einiges ausgelöst hat und mir dadurch wohl noch lange in guter und aufwühlender Erinnerung bleiben wird.

In Rebecca Solnits Essays geht es ebenso um aktuelle Themen, wie um persönliche und ab und zu auch mal um eine Herzensangelegenheit. Der titelgebende Essays zum Beispiel basiert auf den Erfahrungen der Autorin im Gespräch mit zumeist älteren Männern, die über Dinge schwadronieren, von denen sie keine Ahnung haben. Niemand wird gerne unterbrochen, schon gar nicht, wenn frau weiß wovon sie spricht, und doch ist dieser kleine Erfahrungsbericht, dem die Autorin natürlich noch ein paar kluge sozio-psychologische Eindrücke beigibt, noch verhältnismäßig erheiternd; vor allem dann wenn man sich dem nächsten Essay mit dem Titel „Der längste Krieg“ zuwendet, in dem es um Gewalt gegen Frauen geht und der selbst für Nicht-Betroffene schwer verdaulich sein dürfte. Und trotzdem ist gerade dieser Essay der meines Erachtens nach Lesenswerteste der Sammlung als Ganzes.

Darüber hinaus widmet sich Rebecca Solnit dem Internationalen Währungsfond und der Strauß-Kahn Affäre, der Auslöschung weiblicher Ahnen aus den Stammbäumen des Patriarchats und schließt letztlich mit einer Zuversicht, die den Sturm in meinem Inneren, der sich auf dem Weg zum Schlusswort aufgebaut hat, zu einem leisen Lüftchen werden lässt. Insofern ist „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die mich mal zum Schmunzeln bringt und mir kurz darauf die Galle überkochen lässt, um mich dann wieder zu beruhigen, ja fast schon versöhnlich zu stimmen. Rebecca Solnit versteht es ihre Leserinnen mit Haut und Haar in ihr jeweiliges Thema zu ziehen, ihnen begreiflich zu machen, warum es wichtig ist hinter die Fassade von beispielsweise Nachrichtenmeldungen zu schauen und zu hinterfragen, welche Strukturen es sind, die das Elend der Welt, das disproportional von Frauen ertragen wird, überhaupt möglich machen.

Insgesamt ist dieses Buch ein kurzweiliges, dabei aber auch aufrüttelndes Lesevergnügen, nicht nur für feministische Leserinnen. Denn Rebecca Solnit predigt nicht, sondern erzählt einfach, präsentiert Fakten und kommentiert Aktuelles; und überlässt es ihrer Leserin deren Denkapparat anzuwerfen und politische Schlüsse aus ihren Essays zu ziehen. Ich persönlich bin mal mehr, mal weniger erschüttert über die behandelte Thematik, kann einiges nachvollziehen, habe mit anderem so wiederum nie zu tun gehabt. Trotzdem denke ich, dass „Wenn Männer mir die Welt erklären“ ein lesenswertes und ein wichtiges Buch ist, als Augenöffner, als Grundstein für eine feministische Lesekarriere oder auch durch seinen Wiedererkennungswert für alle Leserinnen, die gelangweilt weghören, wenn Männer wieder mal über Sachen dozieren, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben.

Wenn Männer mir die Welt erklären – Rebecca Solnit – ISBN 978.3.442.71439.1

Für Leserinnen, die…

  • …sich nicht so leicht unterkriegen lassen.
  • …sich welt- und frauenpolitisch interessieren.
  • …sich ihre Meinung selbst bilden.

Literarische Nachbarinnen…

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(Feminismen) Alle Menschen sind gleich, aber manche sind nach wie vor gleicher als andere…

Wie genau ich auf dieses Buch gekommen bin, weiß ich mittlerweile gar nicht mehr so unbedingt. Was ich noch weiß, ist dass es eines Tages unter meinen amazon- Empfehlungen auftauchte und interessant klang. Mehr Gründe brauchte ich ehrlich gesagt nicht, um schon bald beherzt zum Buch zu greifen…

51myybd1c1l-_sx316_bo1204203200_In The Equality Illusion Kat Banyard argues passionately and articulately that feminism continues to be one of the most urgent and relevant social justice campaigns today. Women have made huge strides in equality over the last century. And yet: Women working full-time in the UK are paid on average 17 per cent less an hour than men 1 in 3 women worldwide has been beaten, coerced into sex, or otherwise abused because of her gender Of parliamentary seats across the globe only 15 per cent are held by women and fewer than 20 per cent of UK MPs are women 96 per cent of executive directors of the UK’s top hundred companies are men Structuring the book around a normal day, Banyard sets out the major issues for twenty-first century feminism, from work and education to sex, relationships and having children.

Auch wenn sich dieses Buch vor allem an Leserinnen aus Großbritannien richtet, kann man auch als Deutsche einiges an Weisheiten daraus mitnehmen. Denn auch wenn die Statistiken nicht übereinstimmen, haben die Britinnen doch auf ganzer Linie die gleichen Probleme wie deutsche Frauen; sie sind unterrepräsentiert in der Politik und in Führungspositionen, sie werden unverhältnismäßig oft Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt, sie verdienen nicht ansatzweise so viel wie ihre männlichen Kollegen, sie verrichten trotz Vollzeitjob den Hauptteil von Kindererziehung und Haushaltsarbeit – gleichzeitig glauben aber auch viele von ihnen, dass der Feminismus alles erreicht hat, was er erreichen kann und mittlerweile überflüssig ist. Mir persönlich kommen diese Ungleichheiten und Ansichten überaus bekannt vor, und das eben nicht nur aus meiner Zeit in Großbritannien.

Was Kat Banyard zunächst einmal mit ihren Buch „The Equality Illusion“ bezweckt ist, Schluss zu machen mit der Augenwischerei, die junge Frauen glauben macht, wir wären schon seit Jahrzehnten gleichgestellt und es gäbe nichts mehr für das wir kämpfen könnten oder sollten. Dies tut sie indem sie einen typischen weiblichen Tag beschreibt, inklusive all der Ungerechtigkeiten, die einer Frau aber niemals, oder nur äußerst selten, einem Mann, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen, passieren. Es geht um Lohnungleichheit, die „zweite Schicht“ mit Küche und Kindern, häusliche Gewalt und den Beauty Terror, der manche Frauen nur geschminkt das Haus verlassen lässt und etliche mehr zu Dauerdiäten nötigt, einfach um sich als Mensch zu fühlen, der es wert ist geliebt und begehrt zu werden. Als Leserin koche ich innerlich vor Wut angesichts der Ungerechtigkeit und eines Systems, das zwar auf dem (Gesetzes)Papier gleiche Rechte zusichert, sie dann aber nicht konsequent im Alltag umsetzt.

Wie schon angedeutet finde ich den Aufbau von „The Equality Illusion“ äußerst clever und auch wenn man als Frau nicht von jeder hier beschriebenen Ungerechtigkeit persönlich betroffen ist, kann man sich doch gut in diejenigen Frauen hineinversetzen, die zum Beispiel das Unglück haben nach der Arbeit zu einem prügelnden Ehemann heimzukehren. All diese Beweise, dass Frauen auch heutzutage für ihre Rechte, bzw. dafür dass diese Rechte auch angewendet werden, kämpfen müssen, gelten meiner Erfahrung nach auch im deutschen Raum – für dahingehende Parallelen, sollten denn im privaten Umfeld nicht genügend Bespiele vorhanden sein, muss frau nur mal die aktuelle EMMA lesen, oder sich an die Medienberichte zur Aufschrei Debatte von 2013 erinnern.

Denn auch ohne akut körperlich bedroht zu sein, schleppen Frauen ihr Kreuz durch den Alltag und Kat Banyard macht dieses in ihrem Buch sichtbar, auch für diejenigen Leserinnen, die es aufgrund glücklicher Lebensumstände bisher leugnen konnten. Insofern ist dieses Buch erst der Anfang Deiner feministischen Erweckung, liebe Leserin. Gerne würde ich Dir sein deutsches Äquivalent vorstellen, doch das muss noch geschrieben werden – wer sich an dieser Stelle berufen fühlt, setze sich bitte an den Schreibtisch und los geht’s! Für alle anderen gilt Augen auf und weiterlesen, bis der Haaransatz glüht. Denn gegen Ende des Buchs wird Kat Banyard deutlich, die Welt ändert sich nicht von selbst, wer um die Ungerechtigkeiten – jegliche, nicht nur geschlechtspolitische – weiß, der oder die ist in der Pflicht seine/ihre Ärmel hochzukrempeln und etwas dagegen zu tun. Ich stelle hier dieses Buch vor, auch weil ich krankheitsbedingt leider nicht mehr tun kann – was machst Du?

Insgesamt ist „The Equality Illusion“ ein wunderbarer Anfang für Leserinnen, die sich feministisch bilden wollen, auch wenn sich das Buch auf Großbritannien und die dortige Politik bezieht. Denn es öffnet seiner Leserin die Augen für Missstände in Politik und Gesellschaft und den Graben, der zwischen den politisch zugesicherten Rechten und deren Anwendung im Alltag liegt. Das Buch lädt seine Leserin ein sich Zähne und Klauen wachsen zu lassen und verbissen für ihre Rechte auf gleiches Geld für gleiche Arbeit, gerechte Arbeitsteilung im Haushalt und körperliche Unversehrtheit zu kämpfen, sich mit anderen Frauen zu verschwestern und vor allem nicht länger weg zu schauen, auch wenn sie die Ungerechtigkeit des Systems im Moment vielleicht nicht direkt betrifft.

The Equality Illusion – Kat Banyard – ISBN 978.0.571.24627.4

Für Leserinnen, die…

  • …ihre rosarote Brille in den Staub treten wollen.
  • …Parallelen zwischen Deutschland und Großbritannien ziehen.
  • …den langen, steinigen Weg zur Gleichheit der Geschlechter bis zu Ende gehen wollen.

Am besten kombiniert mit…

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(Neuerscheinung) Zwischen Mensch und Wolf liegt die Dämmerung…

Im Sommer 2011 bin ich Sarah Hall verfallen, damals durch ihren dystopischen Roman „The Carhullan Army“. Der Klappentext ihres neusten Romans lässt zwar einen ganz anderen Roman erahnen, als den von mir so geliebten, aber ich konnte trotzdem nicht umhin zuzugreifen und mal zu schauen, was Sarah Hall seit 2011 so getrieben, bzw. geschrieben hat…

Bei den Woelfen von Sarah Hall

Eigentlich wollte Rachel Caine nie mehr nach England und zu ihrer schwierigen Familie zurück. Die Wolfsexpertin lebt seit zehn Jahren in Amerika und geht in ihrer Arbeit auf. Doch dann stürzt das Angebot eines einflussreichen Lords, auf seinen Ländereien ein Wölfspärchen anzusiedeln, sie in Konflikte. Aber zu ihrer eigenen Überraschung sind ihre Heimkehr, eine ungeplante Schwangerschaft und die intensive Arbeit in der wilden Landschaft des Lake District die beste Medizin für ihre Seele. Sie kann sich sogar vorsichtig auf eine neue Liebe einlassen und kommt zur Ruhe. Bis ein unvorhergesehenes Ereignis die eigentlichen Motive ihres Arbeitgebers entlarvt.

In Sarah Halls fünftem Roman „Bei den Wölfen“ erzählt sie dieser Leserin die Geschichte einer emanzipierten Einzelgängerin, einer einsamen Wölfin, die im Laufe des Buchs nach und nach ihr Rudel und ihre Heimat findet, auch wenn sie sich zunächst nach Kräften dagegen wehrt. Hauptfigur Rachel Caine braucht nichts und niemanden, ich treffe sie in den Weiten der amerikanischen Wildnis, wo sie mit einer handvoll Kollegen ein Rudel Wölfe studiert. Das jedoch ist nur der Anfang eines Romans, der mich als Leserin an der Seite der Hauptfigur von Amerika nach England bis in die schottischen Highlands transportieren wird, immer auf den Spuren der Wölfe natürlich. Eine atemberaubende Reise, die die anfangs emotional abgekapselte Rachel für immer verändern wird.

Bleiben wir gleich beim Thema, die Hauptfigur von „Bei den Wölfen“ macht eine beeindruckende Entwicklung durch, von einer Frau, die andere Menschen auf Armeslänge von sich fern hält, sexuelle Abenteuer mit Fremden hat und den Kontakt zu ihrer Familie scheut, hin zu einer liebenden Mutter, die ihren Bruder in schweren Zeiten bei sich aufnimmt und mit einem alleinerziehenden Vater anbändelt. Es ist diese Veränderung, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, die Wölfe sind da lediglich eine Nebensache, ein Grund für die Hauptfigur aus ihrer Komfortzone zu treten und zu ihren Wurzeln zurück zu kehren. Nach und nach verliert die Hauptfigur so ihre anfängliche Härte und wird sanfter, fraulicher, mütterlicher, ohne jedoch ihren anfänglichen Kampfgeist einzubüßen.

Stilistisch kann man an „Bei den Wölfen“ bei weitem nichts aussetzen. Die Erzählstimme ist formvollendet, ordnet sich der Handlung jedoch auf ganzer Linie unter. Das macht es dieser Leserin leicht sich auf das jeweilige Geschehen zu konzentrieren und vollkommen darin abzutauchen. Sarah Hall beschwört Bilder herauf von amerikanischen Wäldern, die einfach kein Ende nehmen wollen und englischen Moorlandschaften, grün und im Mondlicht dampfend – Beschreibungen, die bei dieser Leserin Sehnsucht wecken. Diese Beschreibungen urwüchsiger Natur und des Wolfsrudels, das sich darin tummelt, machen diesen Roman, dessen Handlung eher unscheinbar ist – verglichen mit Sarah Halls früheren Romanen – zu einem Erlebnis der Sinne. Als Leserin glaubt man den erdigen Geruch von Moos wahrnehmen zu können, das raue Fell der Wölfe unter den Fingern zu spüren und ihr vielstimmiges Geheul zu hören, wenn man nur angestrengt lauscht.

Was ich bei der Lektüre von „Bei den Wölfen“ vermisst habe, war der organische Verlauf der Geschichte. Immer wieder fährt Sarah Hall Wendungen innerhalb der Handlung auf, die so nicht unbedingt glaubwürdig scheinen und wohl mehr dazu dienen diesen gut 500 Seiten langen Schmöker nicht zu verkopft, ja vielleicht sogar langweilig erscheinen zu lassen. Besonders der Subplot um den vom rechten Weg abgekommenen Bruder der Hauptfigur wirkt forciert und dient wohl nur dazu die Hauptfigur wieder beziehungsfähig zu machen, bevor es ernst wird zwischen ihr und dem Tierarzt, der sich um die Gesundheit der Wölfe im Reservat kümmert. Als Leserin fühle ich mich ab und zu ein bisschen wie ein argloses Schaf, das von der Hütehündin Hall durch das Wolfsgehege gelotst wird und dabei bloß nicht vom vorgefertigten Weg abkommen darf, denn das wäre das Ende dieser Geschichte.

Insgesamt ist „Bei den Wölfen“ ein intelligenter und stilistisch ansprechender Schmöker, den ich persönlich jedoch nicht als das beste Buch der Autorin bezeichnen würde. Sarah Halls große Stärke ist ihre Fähigkeit eine glaubhafte, alle Sinne ansprechende Naturatmosphäre aufzubauen, in der diese Leserin mit Haut und Haar versinkt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sie der Geschichte und ihren Figuren dabei etwas mehr Spielraum für eine glaubwürdige, emotionale Entwicklung gelassen hätte, anstatt ihren Alltag mit Handlung zuzupflastern. Ansonsten habe ich jedoch nichts an diesem Buch auszusetzen; im Gegenteil „Bei den Wölfen“ ist für mich persönlich, trotz kleiner Macken und wegen der beeindruckenden Naturbeschreibungen, bei weitem der empfehlenswerteste literarische Schmöker des Lesejahres 2016.

Bei den Wölfen – Sarah Hall – ISBN 978.3.813.50679.2

Für Leserinnen, die…

  • …starke, unabhängige Frauenfiguren schätzen.
  • …selbst sehr naturverbunden sind.
  • …auf Sinnsuche, in der englischen „Wildnis“, gehen wollen.

Literarische Nachbarinnen…

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(#04/2016) Aller guten Sachbücher sind 3…!

Drei Frauen mittleren Alters blicken zurück, drei Frauen erzählen ihre Geschichte. Die eine tut dies mit viel Humor, die nächste mit viel Ehrlichkeit sich selbst und ihren Leserinnen gegenüber, und die dritte mit einem unguten Gefühl im Licht neuer Erkenntnisse über die Schauplätze ihrer Kindheitserinnerungen. Ein literarisches Stimmungsbarometer also, dessen Nadel von Heiterkeit über Nostalgie bis zu ehrlicher Besorgnis schwingt.

Für Tollpatschige…

51uUwTCUrVL._SX324_BO1,204,203,200_„Is It Just Me?“ von Miranda Hart: Well hello to you dear browser. Now I have your attention it would be rude if I didn’t tell you a little about my literary feast. I am proud to say I have a wealth of awkward experiences – from school days to life as an office temp – and here I offer my 18-year-old self (and I hope you too dear reader) some much needed caution and guidance on how to navigate life’s rocky path. Because frankly where is the manual? The much needed manual to life. Well, fret not, for this is my attempt at one and let’s call it, because it’s fun, a Miran-ual. I thank you.

Manch einer mag Miranda Hart aus dem Fernsehen kennen, ihre in Großbritannien überaus erfolgreiche Comedyserie wird soweit ich weiß auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Ich persönlich kenne sie allerdings nur als etwas verkniffenes Gesicht auf dem Buchcover ihres Bestsellers „Is it just Me?“ im Buchladen Waterstones auf der Edinburgher Princes Street direkt am Eingang platziert und unmöglich zu übersehen. Lange widerstand ich ihm, verband ich doch nichts mit seiner Autorin, las es dann aber doch, nachdem mir die humorvollen Memoiren von amerikanischen Comedy-Größen wie Tina Fey und Amy Poehler so gut gefallen hatten. Leider hielt „Is It Just Me?“ eine Enttäuschung für mich bereit, und dabei waren meine Erwartungen ohnehin schon uncharakteristisch niedrig.

Das Buch ist als Dialog geschrieben, als unaufhörliche Auseinandersetzung der gegenwärtigen Miranda Hart mit ihrem 18-Jährigen Selbst. Beide Damen gingen mir schon früh mit ihrer albernen Tollpatschigkeit gehörig auf die Nerven. Die Autorin fragt in einem fort: „Is it just me?“ und ich antworte: „Yes, Miranda. It’s just you.“ Denn ich kann mich mit dieser Art durchs Leben zu stolpern einfach nicht identifizieren, noch bin ich besonders begeistert vom berühmten britischen Humor, den die Autorin zwischen den Seiten derart auf die Spitze treibt, dass man als deutsche Leserin den Witz mit der Lupe suchen muss. Insgesamt legt das Buch also eine Bruchlandung hin, die nicht besser zu seiner Autorin passen könnte, nur dass in meinem Lesezimmer am Ende leider nicht gelacht, sondern sich geärgert wird, schließlich hätte ich auch was anderes lesen können.

Am besten kombiniert mit…

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Für Aussteiger…

51zXP6Lo6zL._SX335_BO1,204,203,200_„You Look Like That Girl…“ von Lisa Jakub: At the age of twenty-two, Lisa Jakub had what she was supposed to want: she was a working actor in Los Angeles. She had more than forty movies and TV shows to her name, she had been in blockbusters like „Mrs. Doubtfire“ and „Independence Day“, she walked the red carpet and lived in the house she bought when she was fifteen. But something was missing. Passion. Purpose. Happiness. In „You Look Like That Girl…“ Lisa Jakub explores the universal question we all ask ourselves: what do I want to be when I grow up?“

Die Autorin dieser Autobiografie kennt wahrscheinlich vom Namen her kein Mensch (mehr). Doch die Filme in denen der ehemalige Kinderstar mitwirkte sind auch über zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch gerne gesehen – zumindest von mir 😉 In ihrem überaus kontemplativen Buch schaut die (etwas) gealterte Autorin, die mittlerweile ein vollkommen durchschnittliches Leben führt, auf ihre mehr oder weniger bewegte Jugend als Hollywood-Liebling zurück. Dabei hat sie gemessen an Hollywood-Maßstäben gar nicht so viel zu erzählen; Drogen nahm sie keine, Affären hatte sie dafür viele, aber immer nur mit technischen Mitarbeitern. Im Vergleich zu Barrymore, Culkin & Co. wirkt ihre Schilderung zahm, fast schon etwas fade. Wer ein Enthüllungsbuch sucht, ist mit „You look like that girl..“ also schlecht beraten.

Insgesamt finde ich es ganz interessant mal hinter die Kulissen bekannter Filme zu schauen und von einem Hollywood-Insider zu erfahren, wie es an Filmsets so zugeht, mag die Perspektive der Autorin auch noch so behütet sein. Wer weiß, wo Lisa Jakub heute wäre, hätte sie mit Anfang zwanzig nach einer langen Frustphase nicht das Handtuch geworfen. Vielleicht würde sie sich mit Amy Adams erbitterte Kämpfe um die Oscar-Nomminierung liefern, vielleicht wäre sie auch wie so viele Kinderstars vor ihr langsam in der Versenkung verschwunden. Die Entscheidung sich freiwillig zurück zu ziehen und ein ganz normales (von Hollywood aus gesehen wahrscheinlich wenig erstrebenswertes) Leben zu führen, verleiht ihr eine Integrität, die in mir den Wunsch weckt, ihre Geschichte näher kennen zu lernen – und so schließt sich der Kreis.

Am besten kombiniert mit…

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Für Atomgegner…

51pkpqm9ial-_sx321_bo1204203200_„Full Body Burden“ von Kristen Iversen: It is the early 1950s. Kristen Iversen is enjoying a carefree childhood surrounded by desert and mountains. But just a few miles down the road, the US government decides to build a secret nuclear weapons facility at Rocky Flats. Kirsten and her siblings jump streams, ride horses, live a happy outdoors life. But beneath this veneer her family is quietly falling apart. And in a series of fires, accidents and other catastrophic leaks, Rocky Flats nuclear plant is spewing an invisible cocktail of the most dangerous substances on earth into this pristine landscape. The ground, the air and the water are all alive with radiation.

Kristen Iversens Autobiografie sprengt die Grenzen des Genres, dementsprechend fällt es mir schwer ihr Buch an dieser Stelle in Worte zu fassen. Auf der einen Seite ist es eine Autobiografie, wie es in ihrer Generation unzählige gibt; eine kinderreiche und daher etwas chaotische Familie zieht in eine Vorstadtsiedlung, hält dort diverse Tiere an denen die Kinder ihre helle Freude haben, der Vater trinkt und die Mutter verzweifelt daran, verlässt ihn aber nicht. Auf der anderen Seite ist es hervorragend recherchierter investigativer Journalismus zum Thema Atomwaffen, Umweltverschmutzung und Vertuschung auf staatlicher Ebene. Beide Teile sind über den Verlauf der Geschichte durchgängig miteinander verknüpft, ebenso wie die Kindheit und Jugend in der vermeintlichen Vorstadtidylle untrennbar mit den Umweltverbrechen der amerikanischen Atomindustrie vor Ort verwoben ist.

Ab und zu liest sich das Buch daher wie ein Thriller, dann wiederum wie ein Familienroman und schlussendlich erinnert es, wenn die (zum großen Teil krebskranken) Anwohner gegen den Konzern, der die Fabrik betreibt, vor Gericht ziehen, an ein amerikanisches Zivilrechtsdrama á la „Erin Brochovich“. Doch die Lektüre von „Full Body Burden“ ist nicht nur spannend, sondern beunruhigt diese Leserin auch. Denn wer weiß schon, was sich in Land, Luft und Wasser alles tummelt an Teilchen, die zwar unsichtbar, aber trotzdem allzu schnell sich einverleibt sind, um über die nächsten Jahre und Dekaden Schaden anzurichten, der einen letztlich ins Grab bringt. Insofern ist dieses Buch trotz der autobiografischen Anteile eine harsche Abrechnung mit gängiger industrieller Praxis, die sich wenig um die Sicherheit des Individuums schert, solange am Ende der Gewinn stimmt. Pflichtlektüre also für Verbraucherinnen, die mitdenken, statt nur zu konsumieren!

Am besten kombiniert mit…

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(#03/2016) Aller guten Sachbücher sind 3…!

Die Sachbücher, aus denen dieses Trio besteht, könnten nicht unterschiedlicher sein. Eines ernst, ein anderes wiederum eher frivol, das mittlere ungeschönt autobiografisch – insofern ist dieses Mal für jeden Lesegeschmack etwas dabei, ob es nun um Religion und Politik, um Sex und Scham oder um die größtenteils rosarot eingefärbten Erinnerungen eines früheren Kinderstars geht.

Für Religionsskeptiker…

516++rnp1HL._SX330_BO1,204,203,200_„Kingdom Coming – The Rise of Christian Nationalism“ von Michelle Goldberg… In „Kingdom Coming“, Goldberg demonstrates how an increasingly bellicose fundamentalism is gaining traction throughout our national life, taking us on a tour of the parallel right-wing evangelical culture that is buoyed by Republican political patronage. Deep within the red zones of a divided America, we meet military retirees pledging to seize the nation in Christ’s name, perfidious congressmen courting the confidence of neo-confederates and proponents of theocracy, and leaders of federally funded programs offering Jesus as the solution to the country’s social problems.

Hätte ich dieses Buch kurz nach seinem Erscheinen gelesen, dann hätte ich ganz schön Angst gekriegt vor der christlichen Rechten und ihrem Einfluss in der amerikanischen Politik. Mit etwas Abstand lässt sich feststellen, dass es zum Glück nicht ganz so schlimm gekommen ist, wie Michelle Goldberg es in ihrem Buch vorzeichnet. Dieses ist kontrovers, besonders wenn man selbst religiös empfindet aber gleichzeitig brillant recherchiert. Denn es geht der Autorin nicht vorrangig um die Kritik an der Religion, auch wenn sie sich selbst als Atheistin bezeichnet. Vielmehr zeigt sie eine Entwicklung im US-amerikanischen System auf, die mir Sorgenfalten auf die Stirn zeichnet. Diese Entwicklung geht laut der Autorin gegen alles, was sich die Urväter des Landes einmal auf die Fahnen geschrieben haben.

Als Europäerin kann ich oft nur mit dem Kopf schütteln, wenn es beispielsweise darum geht, dass immer mehr amerikanische Schuldistrikte den Biologieunterricht zum Religionsunterricht machen und so eine Generation von Schülern heranziehen, die wissenschaftlich völlig ungebildet ist, alles im Namen der Religion. Die Autorin selbst macht keinen Hehl daraus, dass sie für Elternbeiräte, die Kreationismus als Schulfach durchsetzen wollen und Politikern, die sogar Fehlgeburten mit Gefängnisstrafen ahnden wollen, nicht viel übrig hat. Doch eines tut sie dabei nie und das ist diese Art von hyper-religiösen Menschen, mögen sie auch noch so fanatisch sein, zu unterschätzen. Alles in allem ein beeindruckendes Sachbuch, das auch wenn es nicht mehr brandaktuell ist, definitiv eine aufmerksame Lektüre wert ist.

Am besten kombiniert mit...

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Für Frühreife…

51g2bjA8g0L._SX354_BO1,204,203,200_„Mit 11 wurde mein Körper zur Ware“ von Kerry Cohen… Sie ist elf, als sie lernt, wie Männer auf sie reagieren. Wie Männer auf Mädchen reagieren. Und der Wunsch wahrgenommen zu werden, lässt sie einen Weg einschlagen, von dem sie selbst weiß, dass er sie in den Abgrund führen wird. Was Liebe ist, weiß sie nicht, sie ist noch viel zu jung. Und so denkt sie, Sex zu haben ist das Gleiche. Es wird die Sucht, die sie treibt. Nicht nur die Sucht nach Sex, es ist die Sucht nach Geborgenheit und nach Nähe.

Der deutsche Titel dieses Buchs ist sehr polemisch gewählt und klingt meiner Meinung nach eher nach Prostitution als nach einem frühreifen Mädchen, das sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt und diese in flüchtigen Jungsbekanntschaften zu finden glaubt, oder zumindest versucht. Kerry Cohens Weg vom Mädchen zur Frau ist sicher etwas holperiger als ihre Eltern es für sie gehofft hatten. Doch ist sie die Triebfeder hinter ihrer eigenen Ausnutzung durch unzählige junge Männer. Wieder und wieder verwechselt sie Begehren mit Liebe und stürzt sich Hals über Kopf in erotische Abenteuer, die oft nur eine Nacht halten. Jedem das seine könnte man sagen, doch Amerika hat dem sexuellen Erwachen pubertierender Mädchen den Krieg erklärt.

So ist Kerry Cohens Scham über ihre Lust groß genug, um ein ganzes Buch darüber zu rechtfertigen. Viele Begegnungen verlaufen wenig emazipiert, und Kerry Cohen gibt dies ehrlich zu. Denn es sind nicht nur Hormone, die sie freizügig machen, sondern auch eine nicht zu stillende Gefallenssucht. Insofern schwankt sie mit ihrem Verhalten zwischen Normalität und Pathologie hin und her, wirkt dabei fast bipolar – manchmal frei und dann wieder vollkommen abhängig von den Jungs in ihrem Umfeld und deren Blicke, die sie auf sich spüren möchte, scheinbar um jeden Preis. Was dieses Buch lesenswert macht, ist die Ehrlichkeit seiner Autorin, wenn es darum geht sich selbst und die eigene Gefühlswelt zu betrachten. Manchmal allerdings geht sie zu hart mit sich um, jeder Mensch hat das Anrecht auf lustvolles Empfinden und Begehren, auch Frauen.

Am besten kombiniert mit…

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Für Cineasten…

41QzX2+kqyL._SX319_BO1,204,203,200_„Wildflower: Geschichten aus meinem Leben“ von Drew Barrymore… ist ein Porträt von Drews Leben in einzelnen Geschichten, in denen sie zurückblickt auf ein bewegtes Leben voller Abenteuer, Herausforderungen und unglaublicher Erfahrungen. Weshalb das Wäschewaschen ihr, als sie mit 14 Jahren alleine lebte, möglicherweise das Leben rettete, wie sie ganz persönlich Abschied von ihrem Vater nahm, der diese Rolle niemals erfüllte, weshalb sie mit Cameron Diaz auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick Fallschirmspringen ging.

Drew Barrymores Erinnerungen an ihr bewegtes Leben als Kinderstar in Hollywood, inklusive dem Bruch mit der Mutter als 14-Jährige, früher Alkohol- und Drogenmissbrauch, und der schwere Übergang vom „Mädchen aus E.T.“ zur angesehenen Hollywood-Schauspielerin, klingen nicht gerade nach gute Laune Buch. Doch genau das ist „Wildflower“; ein Buch für laue Sommerabende, ein Buch das man der Mitbewohnerin empfiehlt, auch wenn oder vielleicht gerade weil diese nicht so gerne liest, ein Buch, das man auch im Zug oder im Wartezimmer beim Arzt lesen kann. „Wildflower“ ist die Margarine unter den Hollywood-Autobiografien, leicht und gut verdaulich, aber genau dadurch auch ein bisschen fade. Ich persönlich hatte mir etwas geschmacksintensiveres gewünscht, wurde von Autorin Drew Barrymore allerdings enttäuscht.

Insgesamt ist „Wildflower“ also nichts besonderes und man ist nach der Lektüre ungefähr so klug wie davor. Denn Drew Barrymore hält sich in ihren autobiografischen Anekdoten bedeckt; schreibt lieber davon, wie sie als Teenager zum ersten Mal eine Waschmaschine benutzte, über die Vegetation im Garten ihres Kindheitshauses oder darüber wie sie ihrem frisch Angetrauten morgens Waffeln macht, als die Leserin ernsthaft an sich heran zu lassen. Manchmal sind diese Anekdoten ganz lustig, und wenn sie zum Beispiel davon berichtet wie es war diesen oder jenen Film zu drehen, den man vielleicht auch schon selbst gesehen hat, wird es sogar etwas interessant. Das alleine macht „Wildflower“ jedoch nicht lesenswert, nicht einmal für Fans dieser Schauspielerin. Denn so wie sich das Buch liest, hätte es auch jedes x-beliebige Hollywood-Sternchen, oder deren Ghostwriter, schreiben können.

Am besten kombiniert mit…

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(Neuerscheinung) Die Abschaffung der Mutter von Alina Brosnky und Denise Wilk

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg, und Denise Wilk, geboren 1973 in Freiburg, wissen ganz genau, wovon sie sprechen. Die beiden Frauen haben zusammengezählt zehn Kinder. Sie glauben nicht, deshalb allwissend zu sein oder in ihrer Mutterrolle besser zu funktionieren als andere. Aber sie haben jahrelang erlebt, was im Umgang mit Müttern schief läuft. Alina Bronsky ist außerdem erfolgreiche Bestsellerautorin, Denise Wilk begleitet als Doula schwangere Frauen und frischgebackene Mütter und gibt Eltern-Kind-Kurse. (Quelle: randomhouse.de)

51C+pjzm81L._SX312_BO1,204,203,200_Wer sich heute als Frau für ein Kind entscheidet, der muss verrückt sein, so könnte man meinen. Denn Mütter werden in unserer Gesellschaft zunehmend bevormundet, klein gehalten und überwacht. Jegliche Kompetenz mit dem eigenen Kind wird ihnen abgesprochen. Wer im Beruf ernst genommen und von seinem Umfeld anerkannt werden möchte, der lässt seine Bedürfnisse als Mutter unter den Tisch fallen. Denn eines will man auf gar keinen Fall sein: eine Glucke. Schritt für Schritt vollzieht sich so die Abschaffung der Mutter.

Eine Autorin, die den (deutschen) Feminismus, sprich das Streben nach Gleichwertigkeit von Mann und Frau innerhalb der Gesellschaft, als weltfremd bezeichnet, verliert bei mir, trotz ihrer Reihe überaus lesenswerter Romane, leider sofort einige Sympathiepunkte. Insofern hatte Alina Bronskys neustes Buch „Die Abschaffung der Mutter“ bei mir einen eher holperigen Start. Denn spätestens ab dieser etwas unglücklich formulierten Aussage, wurde jedes ihrer Argumente von mir persönlich kritisch beäugt und nicht alle davon hielten dieser harschen Kritik im folgenden Stand. Zu oft verlassen sich die Autorinnen zur Untermauerung ihrer Aussagen auf Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis, die auf mich als Leserin sehr unsachlich wirken und das Buch von der begründeten Gesellschaftskritik in die Ecke derer verschieben, die das Hausfrauenideal der fünfziger Jahre propagieren und überhöhen.

Besonders die ersten Kapitel zu Schwangerschaft und Geburt laufen Gefahr altbacken, ja sogar etwas frauenfeindlich zu klingen. Denn sie beziehen ganz klar Stellung für eine Schwangerschaft und Geburt außerhalb der Reichweite von medizinischem Personal, sind gegen eine Fülle von Untersuchungen in der Schwangerschaft, u.a. auch den meines Erachtens sehr wichtigen Test für Trisomie 21, in der Regel durchgeführt bei Schwangeren ab 35, und die Spinalanästhesie bei Gebärenden, da die unvergleichbaren Schmerzen, denen eine Frau manchmal tagelang ausgesetzt ist, im Grunde doch auch lustvoll sein können. An dieser Stelle entwickele ich als feministische Leserin, die ohne wenn und aber dafür ist schwangeren Frauen die Unsicherheit zu nehmen und gebärenden Frauen die Schmerzen zu ersparen, fast schon Antipathien gegen das vorsintflutlich anmutende Autorinnenpaar, welches sich selbst und die eigenen Erfahrungen und persönliche Präferenzen im Kindbett für den Goldstandard zu halten scheint.

Zum Glück wird das Buch danach wieder fortschrittlicher und frauenfreundlicher, vor allem dann wenn es um das öffentliche Stillen geht. Hier stehen die Autorinnen ganz klar auf der Seite der Mütter und ihrer Babys, die nicht in müffelnden Toilettenräumen ihre Nahrung zu sich nehmen sollten; Schließlich ist eine entblößte Brust zum Zweck der Säuglingsfütterung nichts pornografisches, auch wenn die öffentliche Debatte darum es oft so darstellt. Im Folgenden schwankt das Buch zwischen zwei Polen, dem der das Rad der Zeit zurück dreht, Herdprämien in Anspruch nimmt und Kitas verunglimpft, ja sogar das französische Modell auszuhebeln versucht, und dem, der sich für die Rechte von Müttern einsetzt, ob nun als Teil eines Elternpaares oder Alleinerziehend, unter anderem auch im Bezug auf den Kindsvater, der laut den Autorinnen bei deutschen Sorgerechtsfällen mittlerweile übervorteilt wird, was oft zu Lasten des Kindes geht – das hätte so übrigens auch in der EMMA stehen können 😉

Insgesamt ist „Die Abschaffung der Mutter“ also ein sehr durchwachsenes Buch, das für eine Stärkung der Frau als Mutter kämpft. Ob man im Land der „Rabenmütter“ die Verschmelzung der Identität einer Frau mit ihrem Kind noch extra propagieren muss, ist die Frage. Meiner Meinung nach ist „Die Abschaffung der Mutter“ nicht halb so revolutionär, wie es sich die Autorinnen vielleicht gedacht haben. Insofern erscheint mir dieses Buch als solches, vor allem durch seine herrlich unwissenschaftliche Methode der Datensammlung via „Hören-Sagen“, als eher überflüssig – zumindest auf dem deutschen Buchmarkt. Letztlich ist „Die Abschaffung der Mutter“ ein weiteres Buch, das in die Intimsphäre deutscher Frauen sich einzugreifen erdreistet und ihnen vorschreiben will, was sie mit ihrem Körper und mit ihrem Kind zu tun haben – auf diese neuerliche Bevormundung kann ich als Leserin und als Frau getrost verzichten.

Die Abschaffung der Mutter – Alina Bronsky/Denise Wilk – ISBN 978.3.421.04726.7

Für Leserinnen, die…

  • …sich in Sachen Schwangerschaft und Geburt nicht bevormunden lassen wollen.
  • …sich im Leben alle Optionen offen halten.
  • …sich für ihren Kinderwunsch und/oder Kinderreichtum nicht entschuldigen wollen.

Am besten kombiniert mit…

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