Wer bist du, Bücherphilosophin?

Bevor ich ein neues Blog abonniere, möchte ich als Leserin gerne wissen, was mich dort wohl in Zukunft erwarten wird. Der Rezensionsindex weist zwar grob die Richtung, lässt mich aber nur in etwa einschätzen, mit wem ich es auf diesen mir noch unbekannten Seiten zu tun habe. Daher habe ich mich als Bloggerin dazu entschlossen mich hier einmal ein paar Fragen zu meinem Leseverhalten und meiner Einstellung zu Büchern zu stellen. Meine Antworten geben Dir, liebe Leserin, die Möglichkeit mich, die Bücherphilosophin, etwas kennen zu lernen und so heraus zu finden, ob Du Dich hier auf meinem Blog zu Hause fühlen wirst…

1. Was war dein Lieblingsbuch als Kind?

Soweit ich mich erinnern kann waren das die Romane von Astrid Lindgren, ebenso wie die Kinderklassiker „die Raupe Nimmersatt“ und „der Regenbogenfisch“ – allerdings hauptsächlich der Illustrationen wegen, auf die Geschichte habe ich in meiner frühen Kindheit nicht so genau geachtet.

2. Was war das letzte richtig gute Buch, das du gelesen hast?

Das letzte richtig gute Buch, das ich gelesen habe ist „Wahr“ von Riikka Pulkkinen. Ich schob die Lektüre dieses Romans lange vor mir her, die Erwartungen waren also groß und wurden glücklicherweise auf ganzer Länge erfüllt.

3. Was liest du lieber, Romane oder Sachbücher? Warum?

Ich lese Romane um einiges häufiger als Sachbücher, allerdings nicht unbedingt lieber. Es kommt bei mir auf die Stimmung an, manchmal bin ich zu dösig um in die Welt eines Romans abzutauchen, da ist ein Sachbuch dann die angenehmere Lektüre.

(Wenn ich Sachbuch schreibe, meine ich übrigens das amerikanische genre „personal memoir“, klassische Sachbücher lese ich so gut wie nie.)

4. Liest du jedes Buch, das du anfängst auch zu Ende? Wenn nicht, wie entscheidest du wann es an der Zeit ist ein Buch wegzulegen?

Nein, obwohl ich nur äußerst selten mal ein Buch abbreche. Wenn es denn absolut sein muss gebe ich dem Buch ungefähr 80 Seiten, bevor ich es endgültig weglege. Nicht jedes Buch, das ich abbreche ist schlecht, manchmal passt es einfach nicht zu mir. Zuletzt habe ich zum Beispiel „Wunder“ von R.J. Palacio abgebrochen – kein schlechtes Buch, aber eher was für jüngere Leser oder solche die selbst schon Kinder haben.

5. Zähle deine 10 Lieblingsbücher auf.

„Weißer Oleander“ von Janet Fitch; „Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert; „Kleines Wörterbuch für Liebende“ von Xiaolu Guo; „Das Gesicht des Mondes“ und „In meinem Himmel“, beides von Alice Sebold; „1984“ von George Orwell; „Moby Dick“ von Herman Melville; „Wölfe fangen“ von Virginie Despentes; „Die Farbe Lila“ von Alice Walker; „Das Parfüm“ von Patrick Süskind

6. Liest du Bücher mehr als einmal? Welche?

Die erste Lektüre ist für mich eine Vorauswahl. In den „recall“ kommen nur Bücher, die mir überdurchschnittlich gefallen haben. Lieblingsbücher lese ich immer und immer wieder.

7. Liest du Gedichte? Warum oder warum nicht?

Nicht seitdem ich aus der Schule bin. Ich habe mich nie ernsthaft mit Lyrik befasst und ehrlich gesagt einfach keinen Zugang dazu. Als „Regentonnenvariationen“ von Jan Wagner den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, wurde ich aber schon etwas neugierig. Eventuell gebe ich dem Genre in Zukunft doch noch eine Chance.

8. Kannst du dich an das erste „Erwachsenenbuch“ erinnern, das du je gelesen hast?

Ich denke hier muss man zwischen lesen und aufnehmen unterscheiden. Mein erstes Erwachsenenbuch war „die Rättin“ von Günther Grass, da war ich 10 Jahre alt und habe entsprechend viel verstanden. „Moby Dick“ kam als nächstes, ungefähr ein Jahr später, was mehrere Anläufe benötigte. So richtig zu schätzen weiß ich „Erwachsenenbücher“ erst seit meinem 16. Lebensjahr, da las ich zum Beispiel „1984“ und „Dracula“, ebenso wie „Weißer Oleander“ zum ersten Mal.

9. Gibt es Autoren von denen du bisher alle Bücher gelesen hast?

Ich habe viele zeitgenössische Autoren komplett gelesen, aber bisher noch keinen modernen oder klassischen Autor.

10. Wie oft liest du Bücher, die vor mehr als 100 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht wurden?

Nur ganz selten. Zuletzt las ich „Große Erwartungen“ von Charles Dickens, was aber auch schon über ein Jahr her ist. Der Wille ist da, doch dann traue ich mich am Ende doch nicht an die Klassiker heran, aus Angst keinen Zugang zur Geschichte zu finden.

11. Gibt es eine Art von Buch, die du nie liest?

Ich habe noch nie eine Graphic Novel gelesen, auch wenn mir schon viele empfohlen wurden. Sie erinnern mich irgendwie zu sehr an die Comics aus meiner Jugend und ich muss zugeben, dass ich das Genre nicht so richtig ernst nehme oder zumindest nicht mit herkömmlicher Belletristik auf eine Stufe stelle. Ich bin allerdings bereit mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

12. Wie wählst du deine Lektüre aus?

Das mache ich nach Lust und Laune. Rezensionsexemplare und Regalbücher werden bevorzugt behandelt, während sich zum Beispiel mein Kindle-SuB oft hinten anstellen muss. In der Regel kriege ich so nach 2/3 des aktuellen Buchs Lust auf ein neues und das lese ich dann als nächstes.

13. Was ist dir wichtiger: Wie ein Buch geschrieben ist oder worüber es handelt?

Da ich ausgebildete Schriftstellerin bin (BA Creative Writing) kann ich ein schlecht geschriebenes Buch einfach nicht genießen. Der Stil muss stimmen, besonders im Englischen, Handlung und Figuren müssen gut durchdacht sein. Wenn das der Fall ist wird sogar eine ganz alltägliche Geschichte interessant und lesenswert.

14. Mit welchem Autor, lebendig oder verstorben, würdest du gerne zu Abend essen?

Ich glaube ich würde am liebsten mit David Foster Wallace zu Abend essen. Denn auch wenn ich noch keines seiner Bücher gelesen habe, wirkte er in Interviews immer sehr aufrichtig und nachdenklich. Ich kann mir gut vorstellen, dass in Gesellschaft eines solchen Menschen ganz besonders tiefgründige Tischgespräche geführt werden würden.

15. Wenn du einen Tag mit einer Romanfigur verbringen könntest, welche wäre es?

Spontan würde ich diesen Tag mit Tyler Durden der Hauptfigur von Chuck Palahniuks Roman „Fight Club“ verbringen wollen, da hätte ich sicher diebischen Spaß – vorausgesetzt ich überlebe das ganze, was bei einer Begegnung mit dem berühmt berüchtigten Tyler Durden nicht unbedingt sichergestellt ist.

16. Wenn du eine Romanfigur sein könntest, welche wärst du?

Ich wäre gerne Pippi Langstrumpf, die Seeräubertochter mit dem Äffchen und dem Pferd – und so ein Koffer voll Gold ist natürlich auch nicht zu verachten 😉

17. Hast du schon einmal einen Fanbrief an einen Autor geschrieben?

Nein. Die Geschichte ist mir ehrlich gesagt wichtiger als der Mensch, der sie geschrieben hat. Ich habe auch nur geringes Interesse an Lesungen und gar keines an Signierstunden.

18. Gibt es ein Buch, dessen Leser du nicht magst? Gibt es ein Buch, dessen Leser dich beeindrucken?

Ich würde niemanden abschreiben, nur weil er einen bestimmten Roman gelesen hat. Ich stehe Lesern, die auf jeden Hype aufspringen, auch wenn er nicht einmal im entferntesten ihren Lesegeschmack trifft, generell kritisch gegenüber, würde aber nie so weit gehen diese Leser als Menschen abzulehnen.

Beeindruckt bin ich von Lesern, die einen guten Zugang zu Klassikern haben, ebenso wie von solchen, die sich trauen auch umfangreichere Werke (wie zum Beispiel David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“) in Angriff zu nehmen.

19. Gibt es ein Buch, das du magst, auch wenn es dir ein bisschen peinlich ist?

Ich habe die Sookie Stackhouse Reihe gerne gelesen, auch wenn die Bücher ganz objektiv schlecht geschrieben sind. Ich denke das hängt mit meinem Spaß an der Serie „True Blood“ zusammen. Es gibt es ja leider nur sieben Staffeln, die Romanserie hingegen hat 13 Teile, da habe ich mich gleich heimisch gefühlt. Ein zweites Mal muss ich die Bücher allerdings nicht lesen.

20. Gibt es Bücher, auf deren Lektüre du stolz bist?

Als ich nach drei Anläufen endlich die letzte Seite von „Moby Dick“ las, da war ich ziemlich stolz auf mich. Nachdem ich mich durch Anna Karenina und gefühlte zweihundert Teekränzchen gequält hatte war ich ebenfalls ein klein wenig stolz oder vielleicht auch nur erleichtert. Dieses Gefühl erlebe ich generell immer dann, wenn ich ein nicht ganz eingängiges, aber trotzdem lesenswertes Buch bis zum Ende durchgehalten habe.

21. Hast du jemals so getan, als hättest du ein Buch gelesen?

Ja, aber nur zu Schulzeiten und in der Regel hatten diese Art von Lügen kurze Beine, die schnell ermüdeten und mich nie weiter als bis zum abschließenden Test trugen 😉

22. Führst du Buch über die Bücher, die du liest?

Außerhalb dieses Blog tue ich das im Moment nicht. Bevor ich anfing zu Bloggen hatte ich allerdings ein kleines Büchlein mit Minirezensionen und dann waren da natürlich auch noch lovelybooks und goodreads, des Lesers liebste Zeitschlucker.

23. Wie bildest du dir eine Meinung über die Bücher, die du liest?

Das geschieht bei mir instinktiv, entweder gefällt mir ein Buch oder es gefällt mir nicht. Finde ich mich in der Geschichte wieder, wird ein gutes Buch schon mal zum Lieblingsbuch. Ich muss allerdings zugeben, dass ich manchmal zu voreingenommen bin, um ein Buch so richtig genießen zu können – das passiert mir zum Beispiel bei (un)verdient gehypten Büchern. In der Regel versuche ich aber mit einer gewissen Vorfreude an jedes neue Buch heran zu gehen, wenn ich das nicht zu können glaube, verschiebe ich die Lektüre lieber ein wenig.

24. Welche Autoren hältst du für überschätzt? Unterschätzt?

Ich persönlich halte Zadie Smith für überschätzt, ebenso wie Jonathan Safran Foer. Beide Schriftsteller verstehen ihr Handwerk, das Beste was der zeitgenössischen Literatur je passieren konnte sind sie meines Erachtens nach allerdings nicht.

Für unterschätzt halte ich die französische Schriftstellerin Virginie Despentes, die achtlos mit Autorinnen wie zum Beispiel Francoise Sagan verglichen wird, von Kritikern, die sich nicht die Mühe machen ihre Bücher zu lesen, bevor sie sich dazu äußern.

25. Liest du auch manchmal Selbsthilfebücher?

Ja und nein. Ich lese durchaus mal ein Buch über beispielsweise glutenfreie Ernährung oder Meditation. Die klassischen Selbsthilfebücher im Stil von „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ suchst du in meinem Regal allerdings vergebens.

26. Welches Buch hat dich zuletzt so richtig schockiert?

Ich bin selten „so richtig“ schockiert, vielleicht weil mich mein Blog-Projekt „Lesen ist hardcore!“ nach fünf Jahren in dieser Hinsicht etwas hat abstumpfen lassen. Trotzdem gibt es ein paar Bücher, die mich zumindest ansatzweise schockiert haben. „Rohypnol“ von Andrew Hutchinson zum Beispiel, weil es so unkritisch mit dem Titelthema umgeht. „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ von Catherine Millet, weil ich viel zu jung war, als ich es las. „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, was ich an dieser Stelle sicher nicht extra erklären muss 😉

27. Wenn du jeden, den du kennst dazu zwingen könntest ein bestimmtes Buch zu lesen, welches wäre es?

Dann würde ich „Glück gehabt“ von Alice Sebold wählen. Ein mutiges Buch, dessen Lektüre vor allem meinen männlichen Bekannten gut tun würde.

28. Welche Bücher/Autoren willst du schon seit Jahren lesen? Warum hast du sie bisher noch nicht gelesen?

Ich will schon seit langem Gabriel Garcia Marquez lesen und habe mich bisher nicht dazu entschließen können endlich eines seiner Bücher zur Hand zu nehmen. Genauso unentschlossen schleiche ich um das Werk von Herta Müller herum – Nobelpreisgewinner reizen mich generell sehr, aber selten wird aus dem Lesewunsch auch ein echter Lesetag.

Der Grund, warum ich meine Lesevorhaben selten in die Tat umsetze ist, glaube ich, vor allem die Angst enttäuscht zu werden, besonders dann, wenn es sich um von der Kritik hoch gelobte Bücher und Autoren handelt. Zuweilen spielt auch die Furcht dem Buch zu diesem Zeitpunkt nicht gerecht werden zu können (so passiert bei „Lolita“ von Vladimir Nabokov, das ich viel zu früh und zu unbedarft gelesen habe) in meine Entscheidung hinein, bestimmte Lektüren auf die lange Bank zu schieben.

29. Welche Art von Büchern empfindest du als „guilty pleasure“?

In diese Kategorie gehören für mich Jugend- und Genrebücher, die nicht zu den Klassikern zählen. Solche „guilty pleasures“ gönne ich mir allerdings immer seltener, was eigentlich ein bisschen schade ist.

30. Hat ein Buch jemals deine Meinung zu einem bestimmten Thema geändert?

Bisher war das nicht der Fall, wobei ich generell wenig vorgefasste Meinungen mit mir herum schleppe.

31. Welches Buch oder welche Bücher würdest du lesen, wenn du nur noch ein paar Monate zu leben hättest?

Ich würde alle meine Lieblingsbücher noch einmal lesen.

32. Kannst du ein Gedicht oder eine Romanpassage auswending? Kannst du sie hier wiedergeben?

Oft merke ich mir besonders schöne oder originelle Anfangssätze von Romanen, zum Beispiel:

„When all was said and done, killing my mother came easy.“ (The almost moon, Alice Sebold)

33. Wenn du etwas an der Art ändern könntest, auf die du liest, was wäre es?

Ich wäre gerne geduldiger mit mir und meiner Lektüre, mehr im Moment. Oft schiele ich schon zum Bücherregal hinüber, während ich eigentlich noch lesezeichentief in meiner aktuellen Lektüre stecke. Das schmälert leider oft meinen Genuss der letzten 50 bis 100 Seiten.

So wie mein Leseleben können sich natürlich auch meine Antworten auf diese Fragen jederzeit ändern. Ich hoffe aber trotzdem, dass sie Dir an dieser Stelle einen Eindruck vermitteln konnten, davon was und wie ich lese und letztlich auch worüber ich hier bloggen werde.

Wenn Du selbst ein Blog hast auf dem Du Dich diesen Fragen stellen möchtest kannst Du Dir den Fragebogen gerne stibitzen, über einen Verweiß auf mich und meinen Blog würde ich mich freuen.

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In support of the radical notion that women are writers…

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